Grundlagen

Zwischen zwei Größen: So zeichnest du die Linie

Brust M, Hüfte S? So mischst du zwei Größen in einem Schnitt: was bleibt, wohin der Übergang gehört und wie du prüfst, ob alles zusammenpasst.

Seitennaht: neue Linie geht von M unter dem Arm sanft über die Taille zu S an der Hüfte, daneben ein Kurvenlineal

Aus der Reihe Auf die harte Tour gelernt.

Ich hatte es oft: an der Brust M, an der Hüfte S. Und ich wusste nie genau, wie ich die Linie ziehen soll, damit es am Ende gut sitzt. Dabei ist das ganz normal, kaum jemand hat überall genau eine Größe.

Man nennt das Größen mischen. Du zeichnest eine Linie, die an jeder Stelle die passende Größe hat und dazwischen sanft übergeht. Bei Linje nimmst du dafür die Datei mit allen Größen. Wenn du dir das Zeichnen sparen willst, bestell den Maßschnitt: Er wird genau nach deinen Maßen berechnet.

Das brauchst du

  • Die Datei mit allen Größen (A4 oder A0)
  • Maßband
  • Bleistift oder Fineliner, gern zwei Textmarker
  • Kurvenlineal (kein Muss)
  • Schnittmusterpapier oder Backpapier zum Abpausen

Schritt 1

Deine Größe an jeder Stelle bestimmen

Körper mit Brustlinie in Größe M (grün, gestrichelt) und Hüftlinie in Größe S (petrol)

Miss Brust, Taille und Hüfte und such jedes Maß in der Größentabelle. Schreib dir die Größen auf, zum Beispiel: Brust M, Taille S, Hüfte S.

Der Größenberater auf der Produktseite hilft dabei. Er zeigt dir, wenn ein Maß zu einer anderen Größe passt als dein Hauptmaß.

Schritt 2

Die Datei mit allen Größen vorbereiten

PDF-Programm mit Ebenenliste, nur zwei Größen eingeblendet, daneben zwei ineinanderliegende Linien

In der Datei mit allen Größen hat jede Größe ihre eigene Farbe, Nachbargrößen sind abwechselnd durchgezogen und gestrichelt. Die Legende steht auf der Druckseite.

Jede Größe ist außerdem eine eigene Ebene. Blende im PDF-Programm alle Größen aus, die du nicht brauchst (Adobe Acrobat Reader: Ebenen-Symbol am linken Rand). Dann siehst und druckst du nur deine zwei Linien.

Schritt 3

Oben bleibt die Brustgröße

Vorderteil: Ausschnitt, Schulter und Armloch in Größe M hervorgehoben, dazu der Ärmel in M

Bei Oberteilen bestimmen Brust und Schultern, wie das Teil oben sitzt. Halsausschnitt, Schulter und Armloch zeichnest du deshalb komplett in deiner Brustgröße, ohne zu mischen.

Der Ärmel gehört zum Armloch: Nimm ihn in derselben Größe wie das Armloch. Dann passt die Ärmelkugel weiterhin genau hinein.

Gemischt wird nur die Seitennaht.

Schritt 4

Den Übergang zeichnen

Seitennaht: neue Linie geht von M unter dem Arm sanft über die Taille zu S an der Hüfte, daneben ein Kurvenlineal

Starte unter dem Arm auf der Linie deiner Brustgröße und zeichne die Seitennaht nach unten. Im Bereich der Taille wechselst du sanft zur Linie deiner Hüftgröße und folgst ihr bis zum Saum.

  • Lass den Übergang über eine möglichst lange Strecke laufen, nicht auf zwei Zentimetern.
  • Keine Ecken und Knicke: Die neue Linie soll aussehen, als wäre sie schon immer so gewesen.
  • Ein Kurvenlineal hilft, freihändig mit mehreren leichten Strichen geht es auch.

An der Hüfte und am Saum liegst du dann genau auf deiner Hüftgröße.

Schritt 5

Vorder- und Rückenteil gleich zeichnen, dann nachmessen

Vorder- und Rückenteil mit gleich gemischter Seitennaht, dazwischen ein Maßband

Die Seitennaht vom Vorderteil wird mit der vom Rückenteil zusammengenäht. Mische deshalb beide Teile auf die gleiche Weise, an derselben Stelle.

Danach misst du nach: Stell das Maßband hochkant auf die Nählinie, also eine Nahtzugabe-Breite innen, und miss die Seitennaht von Vorder- und Rückenteil. Beide müssen gleich lang sein. Ist eine länger, gleich die Linie an, bevor du zuschneidest.

Zum Schluss den Saum prüfen: Vorne und hinten sollen an der Seitennaht ohne Stufe ineinander übergehen.

Schritt 6

Erst heften, anprobieren, dann richtig nähen

Vorderteil mit breiterer Nahtzugabe an der Seitennaht, langen Heftstichen und Stecknadeln zum Abstecken

Beim ersten Stück mit einer neuen Linie nähe ich nicht gleich fertig. An den gemischten Nähten gebe ich etwas mehr Nahtzugabe dazu, zum Beispiel 2 cm statt 1 cm an der Seitennaht, und nähe zuerst nur mit Heftstichen: dem längsten Geradstich der Maschine, ohne Verriegeln.

Dann anprobieren: Wo zieht es, wo ist zu viel Stoff? Ich stecke die Stellen mit Nadeln ab und markiere sie mit Kreide. Die Heftnaht lässt sich leicht wieder auftrennen. Erst danach nähe ich alles richtig nach und passe die Stellen an, die mir nicht gefallen haben.

So wird schon das erste Stück zum Lieblingsteil statt zum Probeteil für die Tonne.

Schritt 7

So machst du es bei Merle und Hanne

Shirt mit gemischter Seitennaht, Hose mit Gummibund
  • Merle: Die Brust ist das Hauptmaß. Gemischt wird die Seitennaht von Vorder- und Rückenteil zwischen Achsel und Hüfte, so wie oben beschrieben. Ist die Oberweite deutlich größer, reicht Mischen nicht, weil vorne auch Länge fehlt. Dafür passt der Maßschnitt die Oberweite gezielt an.
  • Hanne: Die Hüfte ist das Hauptmaß. Die Taille spielt kaum eine Rolle, weil das Gummi den Bund zusammenzieht. Passen Oberschenkel oder Schritt nicht zu deiner Hüftgröße, ist der Maßschnitt die bessere Wahl, denn Schritt und Bein lassen sich schwer mischen.

Und ganz allgemein: Je weiter deine Größen auseinanderliegen, desto eher lohnt sich ein Probeteil aus günstigem Stoff, oder gleich der Maßschnitt.

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