Tipps & Tricks

Spitze verarbeiten und hinterlegen

Spitzenarten erkennen, Motive platzieren, einlagig zuschneiden, ohne Nadeln fixieren und Spitze hinter einen Schlitz setzen. Dazu Stich, Nadel und Bügeln.

Links die Innenansicht eines Schlitzes: umgebügelte Kanten, dahinter Spitze, mit grauen Heftstichen fixiert. Rechts die Außenansicht: Spitze im Schlitz, Steppnaht knapp neben den Kanten und ein Riegel am oberen Ende

Spitze sieht schwierig aus, ist aber vor allem eins: offen. Nadeln rutschen durch die Löcher, der Nähfuß bleibt hängen, und ein Schnitt an der falschen Stelle zerteilt ein schönes Motiv. Mit ein paar Kniffen geht es trotzdem leicht.

Du kannst Spitze als ganzen Stoff nähen, ihre Kante als Saum nutzen oder sie hinter eine Öffnung setzen, sodass sie nur durchblitzt. So hat die Weste Tove schwarze Spitzeneinsätze in den Seitenschlitzen. Hier liest du, welche Spitze wofür passt, wie du sie zuschneidest, fixierst und nähst, und wie du sie sauber hinter einen Schlitz setzt.

Das brauchst du

  • Spitze: Spitzenborte, Allover-Spitze oder elastische Spitze
  • Eine scharfe, spitze Schere
  • Stoffklammern (Clips)
  • Seidenpapier oder wasserlösliches Stickvlies
  • Handnähnadel und Heftgarn in einer Kontrastfarbe
  • Eine neue, feine Maschinennadel (Stärke 60 bis 70, für elastische Spitze eine Stretch-Nadel)
  • Bügeltuch, z. B. ein dünnes Baumwolltuch, und ein Handtuch

Schritt 1

Welche Spitze hast du?

Drei Spitzenproben: links zwei Borten mit Bogenkante, in der Mitte ein Stück Allover-Spitze, rechts elastische Spitze mit Doppelpfeilen für die Dehnung

Für den Anfang reicht es, drei Arten zu kennen:

  • Spitzenborte: ein schmales Band mit Muster. Eine Kante oder beide sind als Bögen gearbeitet, das ist die Bogenkante. Gut für Säume, Ränder und Einsätze.
  • Allover-Spitze: Spitze als Stoff, überall gemustert. Oft hat sie an den Längskanten ebenfalls eine Bogenkante. Daraus schneidest du ganze Teile.
  • Elastische Spitze: Spitze mit Elasthan. Sie dehnt sich wie Jersey und passt zu Unterwäsche, Tops und allem aus Jersey oder Sweat.

Zieh vor dem Kauf kurz an der Spitze. Dann weißt du, ob sie dehnt, und damit auch, wie du sie später nähst.

Schritt 2

Motive platzieren

Zwei gespiegelte Schnittteile liegen nebeneinander auf Allover-Spitze, mit je einer großen Blüte an derselben Stelle. Die Unterkanten liegen auf der gelb markierten Bogenkante

Bei Spitze sieht man jedes Motiv. Deshalb lohnt es sich, die Schnittteile vor dem Zuschneiden in Ruhe zu legen.

  • Leg alle Teile nebeneinander auf die Spitze und schau, wo die großen Motive landen. Eine halbe Blüte genau in der Naht sieht selten gut aus.
  • Bei Teilen, die es zweimal gibt, die Motive spiegeln: Das zweite Teil liegt so, dass links und rechts gleich aussehen.
  • Nutz die Bogenkante als fertigen Saum. Leg dazu die Saumlinie des Schnitts, also die Linie, an der der Saum umgeschlagen würde, an die Bogenkante. Die Saumzugabe darunter fällt weg, und du musst gar nicht säumen.

Schritt 3

Einlagig und um die Motive schneiden

Links ein Rollschneider auf Spitze, hinter der Klinge hängen herausgezogene Fäden, falsch. Rechts schneidet eine Schere eine Linie, die im Bogen um eine Blüte herumführt, richtig

Schneid Spitze immer einlagig. Bei zwei Lagen siehst du die Motive der unteren nicht, und die Lagen verrutschen gegeneinander. Für das zweite Teil drehst du das Schnittpapier einfach um.

  • Nimm eine scharfe, spitze Schere. Damit kannst du an Kanten auch um ein Motiv herumschneiden, statt mitten hindurch.
  • Keinen Rollschneider bei offener Spitze. Die Klinge verhakt sich im Netz, zieht Fäden mit und reißt Löcher.
  • Schneid nur so viel weg wie nötig. Reste von Borten kannst du später für Einsätze nutzen.

Mehr zum genauen Zuschneiden: Schneiden ist das halbe Nähen.

Schritt 4

Fixieren, ohne dass etwas hängen bleibt

Links Spitze mit Stecknadeln, an einer Nadel hängt eine herausgezogene Fadenschlaufe, falsch. Rechts liegt die Spitze auf Seidenpapier, oben mit Clips gehalten und mit langen grauen Heftstichen fixiert, richtig

Stecknadeln rutschen durch die Löcher oder ziehen Fäden aus dem Netz. Dazu bleibt der Nähfuß gern in offener Spitze hängen. So geht es besser:

  • Clips an den Kanten statt Nadeln.
  • Seidenpapier oder wasserlösliches Stickvlies unter die Spitze legen und mitnähen. Danach reißt du das Papier vorsichtig ab, das Vlies wäschst du aus. Der Fuß gleitet darüber, und nichts verhakt sich.
  • Mit der Hand heften: lange Stiche in Kontrastgarn, die du nach dem Nähen wieder herausziehst. Das klingt altmodisch, ist bei Spitze aber oft der schnellste Weg.

Schritt 5

Spitze hinter einen Schlitz setzen

Links die Innenansicht eines Schlitzes: umgebügelte Kanten, dahinter Spitze, mit grauen Heftstichen fixiert. Rechts die Außenansicht: Spitze im Schlitz, Steppnaht knapp neben den Kanten und ein Riegel am oberen Ende

So setzt du Spitze in einen Schlitz oder ein Fenster, wie bei den schwarzen Spitzeneinsätzen in den Seitenschlitzen der Weste Tove:

  • Kanten umbügeln: die Nahtzugaben an der Öffnung nach links, also zur Innenseite, umbügeln.
  • Spitze dahinterlegen: von innen, die rechte Seite der Spitze zeigt nach außen. Sie reicht rundherum 1 bis 2 cm über die Öffnung.
  • Heften: mit der Hand rundherum, durch Stoff und Spitze.
  • Absteppen: von rechts 2 mm neben der Kante.
  • Oben sichern: das obere Ende des Schlitzes mit ein paar Querstichen, einem kleinen Riegel. Dort zieht es beim Tragen am meisten.

Zum Schluss die Heftstiche herausziehen und die überstehende Spitze innen auf etwa 1 cm zurückschneiden.

Schritt 6

Stich, Nadel und Bügeln

Links oben elastische Spitze mit kleinem Zickzackstich und Doppelpfeil, darunter feste Spitze mit Geradstich. Rechts ein Bügeleisen mit einem Punkt für niedrige Hitze auf einem Bügeltuch über Spitze, darunter ein Handtuch

Spitze ist fein, deshalb kommt eine neue, feine Nadel in die Maschine. Eine stumpfe Nadel zieht Fäden aus dem Netz.

  • Elastische Spitze: kleiner Zickzack, zum Beispiel 1,5 mm breit und 1,5 mm lang. So dehnt die Naht mit. Dazu eine Stretch-Nadel.
  • Nicht dehnbare Spitze: Geradstich, etwas kürzer als sonst, etwa 2 mm.

Beim Bügeln ist weniger mehr. Spitze ist oft aus Kunstfaser und schmilzt schnell. Stell das Bügeleisen auf niedrige Hitze, leg ein Bügeltuch dazwischen und bügle von links auf einem Handtuch. Dann bleiben die Motive plastisch und werden nicht platt gedrückt.

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