Grundlagen

Rundungen einsetzen: Linie auf Linie statt Kante auf Kante

Eine nach außen und eine nach innen gewölbte Kante passen an der Schnittkante nie aufeinander. Wichtig ist die Nählinie. So nähst du Rundungen ohne Fältchen.

Oben ein nach außen gewölbtes und ein nach innen gewölbtes Teil mit gestrichelter Nählinie. Unten die Linien gerade gezogen: Die beiden Nählinien sind gleich lang, die Schnittkanten unterschiedlich

Manche Nähte verbinden zwei Kanten, die sich in entgegengesetzte Richtungen wölben: eine nach außen (konvex), eine nach innen (konkav). Beim Shorty Liv ist das der Zwickel, außerdem Ärmelkugeln, runde Taschen und Einsätze. Bei Hosen wie Hanne treffen in der Schrittnaht zwar zwei gleich gewölbte Kanten aufeinander, aber auch dort zählt die Nählinie, nicht die Kante. Wie du die Beine dafür zusammensteckst, steht in Hosenbeine richtig zusammennähen.

Der typische Fehler: Man legt die Schnittkanten aufeinander und wundert sich, dass sie nicht passen. Wenn du verstanden hast, warum, werden Rundungen viel entspannter.

Das brauchst du

  • Deine zugeschnittenen Teile mit allen Passzeichen
  • Kreide oder Trickmarker und ein Lineal
  • Eine kleine, scharfe Schere
  • Feine Stecknadeln (hier besser als Klammern)
  • Bei Jersey: Jersey-Nadel und ein dehnbarer Stich

Schritt 1

Warum die Kanten nicht gleich lang sind

Oben ein nach außen gewölbtes und ein nach innen gewölbtes Teil mit gestrichelter Nählinie. Unten die Linien gerade gezogen: Die beiden Nählinien sind gleich lang, die Schnittkanten unterschiedlich

Zwei Teile, die an einer Rundung zusammengehören, haben gleich lange Nählinien. So ist der Schnitt konstruiert. Die Nahtzugabe liegt aber jeweils außen an der Nählinie:

  • Bei der nach außen gewölbten Kante (konvex) liegt die Schnittkante auf einem größeren Bogen. Sie ist länger als die Nählinie.
  • Bei der nach innen gewölbten Kante (konkav) liegt die Schnittkante auf einem kleineren Bogen. Sie ist kürzer.

Legst du Kante auf Kante, kann es also nicht passen. Legst du Linie auf Linie, passt es genau.

Schritt 2

Nählinien und Passpunkte übertragen

Ein nach außen und ein nach innen gewölbtes Teil, auf beiden ist die Nählinie eingezeichnet, farbige Passpunkte sitzen in derselben Reihenfolge an denselben Stellen

Weil die Nählinie zählt, solltest du sie sehen. Zeichne sie auf der linken Stoffseite beider Teile mit Kreide ein, zumindest im Bereich der Rundung. Miss dafür die Nahtzugabe aus der Anleitung an vielen Stellen von der Kante ab und verbinde die Punkte.

Übertrag außerdem alle Passpunkte aus dem Schnitt, als Knips in der Nahtzugabe oder als Punkt auf der Nählinie. Sie zeigen dir, welche Stelle auf welche gehört. Hat eine lange Rundung nur wenige Punkte, ergänz eigene: Leg die Papierteile Nählinie auf Nählinie und setz auf beiden ein paar zusätzliche Marken an denselben Stellen.

Schritt 3

Die nach innen gewölbte Zugabe entlasten

Nahaufnahme der nach innen gewölbten Kante: eine Stabilisierungsnaht in der Zugabe, gerade Knipse enden kurz vor der gestrichelten Nählinie, rechts fächert sich die Zugabe auf

Die konkave Kante muss sich gleich auf eine längere Gegenkante legen. Dafür braucht ihre Zugabe Luft:

  • Näh zuerst eine Stabilisierungsnaht in die Nahtzugabe, 2–3 mm neben der Nählinie. Sie verhindert, dass sich die Kante beim Hantieren ausleiert.
  • Dann knipst du die Zugabe senkrecht ein, bis knapp an diese Naht, also 2–3 mm vor die Nählinie. Nie hindurch.

Die Zugabe fächert sich jetzt auf und lässt sich an die gewölbte Gegenkante legen. In engen Kurven setzt du die Knipse dichter, in flachen reichen wenige.

Schritt 4

Erst die Passpunkte stecken, dann dazwischen

Das nach innen gewölbte Teil liegt mit der linken Seite nach oben auf dem gewölbten Teil, die Knipse sind aufgefächert, Nadeln mit gelben Köpfen an den Passpunkten, dazwischen weitere Nadeln

Leg die Teile rechts auf rechts. Stich an jedem Passpunkt eine Nadel genau durch die Nählinie der oberen Lage und prüf auf der Unterseite, ob sie auch dort auf der Linie herauskommt. Erst wenn alle Passpunkte sitzen, steckst du dazwischen, immer Linie auf Linie und eher dicht.

Schau dabei auf die Linien, nicht auf die Kanten. Die eingeknipste Zugabe darf sich auffächern.

Zum Nähen liegt das konkave Teil oben. So siehst du die Knipse und merkst sofort, wenn sich irgendwo Stoff staut.

Schritt 5

Langsam nähen und drehen

Nähfuß auf der Rundung, die Nadel steckt im Stoff, ein gebogener Pfeil zeigt, wie der Stoff um die Nadel gedreht wird

Näh langsam und immer auf der Nählinie des oberen Teils. Zieh die Nadeln heraus, kurz bevor der Nähfuß sie erreicht.

In der Kurve nähst du nur wenige Stiche am Stück. Dann:

  • Nadel unten im Stoff lassen.
  • Nähfuß anheben.
  • Stoff ein kleines Stück drehen, bis die Linie wieder gerade vor dem Fuß liegt. Dabei die untere Lage glatt streichen.
  • Fuß senken, weiternähen.

Zieh nicht am Stoff und schieb nichts nach. Die Maschine transportiert, du lenkst nur.

Schritt 6

Von rechts prüfen und bügeln

Links eine Rundung von rechts mit einem eingenähten Fältchen, daneben ein Nahttrenner, durchgestrichen. Rechts dieselbe Naht glatt, abgehakt

Klapp die Teile auf und schau dir die Naht von der rechten Seite an. Siehst du ein kleines eingenähtes Fältchen? Dann trennst du nur genau diese Stelle auf, ein paar Zentimeter, verteilst den Stoff neu und nähst sie noch einmal. Den Rest der Naht lässt du stehen.

Die Nahtzugabe legst du zur konvexen Seite, also in das nach außen gewölbte Teil hinein. Meist fällt sie von allein so, zwing sie nicht in die andere Richtung. Bügel mit der Spitze des Eisens und nur im Bereich der Naht, damit sich die Rundung nicht verzieht.

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