Grundlagen
Die richtige Nadel für jeden Stoff
Was 80/12 bedeutet, wann du eine Jersey-, Stretch- oder Jeansnadel brauchst, wie oft du wechselst und woran du merkst, dass die Nadel nicht passt.

Fehlstiche, Löcher im Jersey, ein zerfranster Faden: Oft ist nicht die Maschine schuld, sondern die Nadel. Sie ist das kleinste und günstigste Teil an deiner Nähmaschine und hat trotzdem großen Einfluss darauf, wie die Naht aussieht.
Du musst nicht jede Spezialnadel kennen. Wenn du weißt, was die Zahl auf der Packung bedeutet und welche Spitze zu deinem Stoff passt, liegst du fast immer richtig. Das passende Garn findest du in Das richtige Garn.
Das brauchst du
- Universalnadeln in 70, 80 und 90
- Jersey-Nadeln in 70 bis 90, für viel Elasthan Stretch-Nadeln
- Bei Bedarf Jeans-, Microtex- oder Zierstichnadeln
- Der kleine Schraubendreher, der deiner Maschine beiliegt
- Ein kleines Glas mit Deckel für alte Nadeln
- Stoffreste zum Testen
Schritt 1
So ist eine Nadel aufgebaut

Eine Maschinennadel hat nur wenige Teile, aber jedes hat eine Aufgabe:
- Der Kolben ist das dicke obere Ende, das in der Maschine steckt. Er ist auf einer Seite abgeflacht. Bei fast allen Haushaltsmaschinen zeigt die flache Seite nach hinten.
- Vorne am Schaft entlang läuft eine Rinne. Darin liegt der Oberfaden geschützt, während die Nadel durch den Stoff sticht.
- Das Öhr ist das Loch für den Faden. Es sitzt kurz über der Spitze, nicht oben wie bei einer Handnähnadel.
- Die Spitze entscheidet, ob die Nadel den Stoff durchsticht oder sich zwischen die Fäden schiebt. Dazu mehr in Schritt 3.
Die Stärke ist meist klein in den Kolben eingeprägt.
Schritt 2
Die Stärke: Was 80/12 bedeutet

Auf der Packung stehen zwei Zahlen, zum Beispiel 80/12. Beide beschreiben dieselbe Dicke, einmal metrisch und einmal in der amerikanischen Zählung. Die erste Zahl ist der Durchmesser in Hundertstelmillimetern, 80 heißt also 0,8 mm. Je höher die Zahl, desto dicker die Nadel.
- 60–70: feine Stoffe wie Batist, Chiffon und Spitze
- 80: die meisten Baumwollstoffe und Jersey
- 90: schwerere Stoffe wie Sweat, Cord oder festes Leinen
- 100–110: Jeans, Canvas und mehrere dicke Lagen
Die Regel: so fein wie möglich, so dick wie nötig. Eine zu dicke Nadel hinterlässt sichtbare Löcher, eine zu dünne biegt sich oder bricht. Dickeres Garn braucht ebenfalls eine dickere Nadel.
Schritt 3
Universal, Jersey oder Stretch: die Spitze für Web- und Maschenware

Die wichtigste Frage ist: Webware oder Maschenware?
- Die Universalnadel hat eine leicht abgerundete Spitze. Sie ist für Webware gedacht, also etwa Baumwolle, Leinen oder Viskose.
- Die Jersey-Nadel hat eine runde Spitze. Sie schiebt sich zwischen die Maschen, statt sie anzustechen. So entstehen keine Löcher und keine Laufmaschen. Sie passt für Jersey, Bündchen und Sweat.
- Die Stretch-Nadel ist für Stoffe mit viel Elasthan gemacht, etwa Sport-, Bade- oder Wäschestoffe. Durch ihre besondere Form verhindert sie Fehlstiche.
Für Merle, Hanne und Liv nimmst du eine Jersey- oder Stretch-Nadel in 70 bis 80, für den Sweat der Weste Tove eine Jersey-Nadel in 80 bis 90. Mehr zu Maschenware steht in 5 Jersey-Fallen.
Schritt 4
Spezialnadeln: Jeans, Microtex, Leder, Zierstich und Zwilling

- Jeansnadel: spitz und besonders stabil. Für Jeans, Canvas und dicke Lagen.
- Microtex-Nadel: sehr schlank und spitz. Für feine, dichte Stoffe, Mikrofaser, beschichtete Stoffe und Klarsichtfolie, siehe Klarsichtfolie wiederverwenden. Für die Geldbörse Kirsche mit mehreren Lagen Baumwollstoff und Folienfenster passt eine Universal- oder Microtex-Nadel in 80 bis 90.
- Ledernadel: hat eine schneidende Spitze. Nur für echtes Leder. In Kunstleder und Folie schneidet sie zu große Löcher.
- Zierstichnadel: großes Öhr und tiefe Rinne für dickes Zierstichgarn.
- Zwillingsnadel: zwei Nadeln an einem Kolben. Oben entstehen zwei parallele Nähte, unten ein Zickzack, der sich dehnen kann. Ideal für Säume an Jersey.
Schritt 5
Wann die Nadel raus muss

Nadeln werden stumpf, auch wenn man es nicht sieht. Setz eine neue ein nach etwa 8 bis 10 Stunden Nähen oder einfach bei jedem neuen Projekt. Sofort wechseln solltest du, wenn …
- die Nadel eine Stecknadel getroffen hat,
- die Maschine beim Einstechen klackt oder ploppt,
- Fehlstiche auftauchen oder der Stoff Fäden zieht.
Manchmal ist die Nadel nicht alt, sondern falsch:
- Fehlstiche in Jersey oder elastischem Stoff: Jersey- oder Stretch-Nadel nehmen.
- Löcher oder Laufmaschen in Maschenware: runde Spitze, eventuell dünner.
- Der Oberfaden franst aus: Das Öhr ist zu klein für das Garn.
- Die Nadel bricht: zu dünn für die Lagen, oder du hast am Stoff gezogen.
Schritt 6
Die Nadel richtig einsetzen

Eine schief oder zu tief sitzende Nadel macht Fehlstiche, auch wenn sie neu ist. So geht es richtig:
- Stell die Nadel mit dem Handrad ganz nach oben und senk den Nähfuß ab. Dann kann nichts ins Loch der Stichplatte fallen.
- Lös die Schraube am Nadelhalter und zieh die alte Nadel nach unten heraus.
- Halte die neue Nadel mit der flachen Seite nach hinten.
- Schieb sie bis zum Anschlag nach oben. Weiter geht es nicht.
- Zieh die Schraube fest, mit den Fingern oder dem kleinen Schraubendreher.
Dreh danach das Handrad einmal langsam von Hand. Sticht die Nadel sauber mittig ins Loch der Stichplatte, kannst du einfädeln.