Schritt für Schritt
Jersey säumen: Zwillingsnadel, Coverlock und Zickzack
Warum ein Geradstich am Jerseysaum reißt, wie du mit der Zwillingsnadel einen Saum wie gekauft nähst, was gegen Tunnelbildung hilft und welche Alternativen es gibt.

Am Saum entscheidet sich, ob ein Jerseyteil selbstgenäht aussieht oder wie gekauft. Er muss sich dehnen lassen, flach liegen und darf nicht wellen.
Bei Merl, den Ärmeln von Pulo, bei Han und Wleg sind 2 cm Saum enthalten. Hier zeigen wir dir die Zwillingsnadel, mit der das auf jeder normalen Nähmaschine gut geht, und was du tun kannst, wenn es trotzdem wellt. Die häufigsten Probleme mit Jersey überhaupt stehen im Artikel 5 Jersey-Fallen.
Das brauchst du
- Stretch-Zwillingsnadel, Nadelabstand 2,5 bis 4 mm
- Zwei Garnrollen in derselben Farbe und eine Spule
- Bügeleisen
- Wonder Clips statt Stecknadeln
- Optional: schmales Bügel-Saumband für dünnen Jersey
- Ein Rest des Stoffs zum Ausprobieren
Schritt 1
Warum der Saum dehnbar sein muss

Jersey dehnt sich, ein Geradstich nicht. Ziehst du ein Shirt über den Kopf oder setzt dich in der Leggings hin, reißt der Faden. Deshalb brauchst du am Jerseysaum einen Stich, der mitgeht:
- Zwillingsnadel: außen zwei parallele Nähte, innen ein Zickzack aus dem Unterfaden. Sieht aus wie gekauft.
- Coverlock: dieselbe Optik, noch dehnbarer, braucht aber eine eigene Maschine.
- Schmaler Zickzack: geht immer, sieht aber selbstgemacht aus.
Schritt 2
Den Saum vorbereiten

- Umbügeln: die Saumzugabe nach innen umbügeln, bei unseren Schnitten 2 cm. Bügeleisen nur aufsetzen und heben, nicht schieben, sonst verzieht sich der Jersey.
- Bei dünnem Jersey: ein schmales Bügel-Saumband in den Umschlag legen und mit festbügeln. Das verhindert Wellen.
- Clips statt Nadeln: Stecknadeln verziehen die Kante und sind beim Nähen von rechts im Weg.
Schritt 3
Die Zwillingsnadel einfädeln

- Nadel: eine Stretch-Zwillingsnadel mit 2,5 bis 4 mm Abstand. Normale Zwillingsnadeln lassen bei Jersey Stiche aus.
- Oberfäden: zwei Garnrollen, beide Fäden gemeinsam einfädeln, aber an der Spannungsscheibe getrennt führen, wenn deine Maschine das vorsieht. Kurz vor der Nadel jeder Faden in sein eigenes Öhr.
- Unterfaden: ganz normal.
- Stich: Geradstich, Länge 3 bis 3,5 mm. Kein Zickzack mit der Zwillingsnadel, sonst bricht sie an der Stichplatte.
Schritt 4
Von rechts nähen

Die Zwillingsnadel näht immer von rechts. Der Zickzack entsteht auf der Innenseite und muss den umgeschlagenen Rand fassen.
- Zieh innen mit Kreide eine Linie knapp unter der Saumkante oder klebe ein Stück Malerkrepp als Führung auf die Stichplatte. Von rechts siehst du die Kante ja nicht.
- Näh in einem ruhigen Tempo, ohne den Stoff zu ziehen oder zu schieben. Lass die Maschine transportieren.
- Bei runden Säumen (Ärmel, Beine) nicht über die Naht schieben, sondern langsam drehen. Am Ende die Fäden nach innen ziehen und verknoten.
Schritt 5
Tunnel vermeiden

Wölbt sich der Stoff zwischen den beiden Nähten zu einem kleinen Wulst, heißt das Tunnelbildung. Der Unterfaden zieht die beiden Nähte zusammen. Das hilft:
- Oberfadenspannung etwas lockern, z. B. von 4 auf 3, und an einem Rest testen.
- Längere Stiche nehmen, 3,5 statt 2,5 mm.
- Saumband einlegen, damit der Stoff stabiler ist.
- Kleineren Nadelabstand wählen, 2,5 statt 4 mm.
Ein leichter Wulst bügelt sich mit Dampf oft noch flach.
Schritt 6
Die Alternativen

- Coverlock: wenn du viel Jersey nähst, die schönste und dehnbarste Lösung. Oben zwei oder drei Nähte, unten ein Kettstich.
- Schmaler Zickzack: Breite 1 bis 1,5 mm, Länge 2,5 mm. Geht auf jeder Maschine und hält gut. Ideal für Probeteile.
- Dreifach-Zickzack (elastischer Zickzack): sehr dehnbar, gut für Leggings-Säume, die über die Ferse müssen.
Und manchmal ist die beste Lösung gar kein Saum: Ein Bündchen oder eine schöne Kante wie die Spitze bei Pulo spart dir das Säumen ganz.