Grundlagen

Das richtige Garn: Material, Stärke und Farbe

Polyester oder Baumwolle, fein oder dick, heller oder dunkler? So findest du ein Garn, das zu deinem Stoff passt, hält und unauffällig bleibt, wo es soll.

Links ein petrolfarbener Stoff mit zwei aufgelegten Fäden: Der hellere sticht hervor (falsch), der etwas dunklere verschwindet fast (richtig). Rechts ein gemusterter Stoff, auf dem ein Faden im Hintergrundton und ein beigegrauer Faden kaum auffallen (beide richtig).

Garn ist das Günstigste an deinem Projekt, und trotzdem hält es alles zusammen. Ein unpassendes Garn reißt, fusselt, fällt farblich auf oder springt auf, sobald der Stoff nachgibt.

Die gute Nachricht: Für fast alles reicht ein einziges Garn, das Allzweck-Nähgarn aus Polyester. Hier liest du, wann du davon abweichst, was die Zahl auf dem Etikett bedeutet, welche Farbe du nimmst und woran du gutes Garn erkennst. Welche Nadel dazu passt, steht in Die richtige Nadel für jeden Stoff.

Das brauchst du

  • Allzweck-Nähgarn aus Polyester
  • Ein Rest von deinem Stoff
  • Tageslicht zum Farbvergleich
  • Für sichtbare Steppnähte: Zierstichgarn und eine passende Nadel
  • Eine Dose oder Schublade für deine Garnrollen

Schritt 1

Der Standard: Allzweck-Nähgarn aus Polyester

Eine große Garnrolle, deren Faden in zwei Nähte übergeht: oben eine Zickzacknaht in Jersey, der in die Breite gezogen wird und hält, unten eine gerade Naht in Webware.

Wenn du nur ein Garn kaufst, dann dieses. Allzweck-Nähgarn aus Polyester ist reißfest, glatt und gibt ein kleines bisschen nach. Genau das braucht eine Naht, die beim Tragen gezogen und gedehnt wird.

  • Es passt zu fast allen Stoffen: Baumwolle, Leinen, Viskose, Mischgewebe und auch Jersey.
  • Es verträgt Waschmaschine und Trockner, läuft nicht ein und bleicht kaum aus.
  • Du bekommst es in sehr vielen Farben.

Für die Jerseyhose Hanne und das Shirt Merle ist es die richtige Wahl. Damit die Naht im Jersey nicht reißt, kommt es zusätzlich auf den Stich an, mehr dazu in 5 Jersey-Fallen.

Schritt 2

Baumwollgarn: schön auf Naturstoffen, aber nicht für Jersey

Links richtig: Baumwollgarn mit gerader Naht in Webware. Rechts falsch: Jersey wird in die Breite gezogen, die Naht aus Baumwollgarn ist in der Mitte gerissen.

Baumwollgarn ist matt, weich und passt optisch gut zu Baumwolle und Leinen. Es gibt aber kaum nach. Dehnt sich der Stoff, reißt die Naht.

Baumwollgarn lohnt sich, wenn …

  • du Webware aus Naturfasern nähst, die nicht gedehnt wird, etwa Baumwolle oder Leinen,
  • du das fertige Teil färben willst: Baumwollgarn nimmt die Farbe mit an, Polyester bleibt hell,
  • du feine Handarbeit machst, etwa Handstiche, Heften oder zarte Wäsche aus Batist.

Für Jersey und alle Nähte, die sich dehnen müssen, ist es nicht geeignet. Und wenn du dich nicht festlegen willst: Polyestergarn funktioniert auch auf Baumwollstoff einwandfrei.

Schritt 3

Dickes Zierstichgarn und andere Spezialgarne

Drei Felder: eine Rolle mit dickem Garn und eine doppelte, kräftige Steppnaht an der Kante eines festen Stoffs; eine Rolle mit flauschigem Bauschgarn und weiche Schlingen an der Kante einer Maschenware; eine durchsichtige Rolle und eine kaum sichtbare Naht auf gemustertem Stoff.

Zierstichgarn ist deutlich dicker und macht Steppnähte sichtbar, etwa an Taschen, Jeans oder an der Geldbörse Kirsche aus Baumwollstoff. Damit es klappt:

  • Nimm eine größere Nadel mit großem Öhr, eine Zierstich- oder Jeansnadel in 90 bis 100. Mehr dazu in Die richtige Nadel für jeden Stoff.
  • In die Spule kommt normales Allzweckgarn in passender Farbe.
  • Stell eine längere Stichlänge ein, etwa 3 bis 3,5 mm, und probier die Fadenspannung vorher auf einem Rest aus.

Seltener brauchst du Bauschgarn, ein weiches, dehnbares Garn für die Greifer der Overlock oder für weiche Säume an Maschenware, und unsichtbares Garn aus Nylon. Es ist durchsichtig, kann aber kratzen und verträgt kein heißes Bügeleisen.

Schritt 4

Das Etikett lesen: Was die Zahl bedeutet

Zwei Garnrollen, eine fein und eine grob gewickelt. Von beiden läuft ein Faden auf eine weiße Karte, eine Lupe zeigt den dünnen und den dicken Faden vergrößert. Darunter ein Stoffrest mit einer feinen und einer kräftigen Probenaht.

Auf der Rolle stehen meist das Material, die Länge in Metern und eine Zahl für die Stärke. Bei vielen Garnen gilt: Je höher die Zahl, desto feiner das Garn. Allzweckgarn trägt oft 100 oder 120, dickes Zierstichgarn eher 30 oder 40.

Leider gibt es mehrere Systeme. Steht zum Beispiel „tex“ dabei, ist es genau umgekehrt, dort heißt eine höhere Zahl dickeres Garn. Und dieselbe Zahl bei zwei Herstellern ist nicht immer gleich dick.

Verlass dich deshalb nicht nur auf die Zahl:

  • Zieh von zwei Rollen ein Stück ab und leg die Fäden nebeneinander.
  • Näh ein paar Zentimeter auf einem Rest von deinem Stoff, mit der Nadel, die du nehmen willst.

Schritt 5

Die Farbe: eine Spur dunkler ist sicherer

Links ein petrolfarbener Stoff mit zwei aufgelegten Fäden: Der hellere sticht hervor (falsch), der etwas dunklere verschwindet fast (richtig). Rechts ein gemusterter Stoff, auf dem ein Faden im Hintergrundton und ein beigegrauer Faden kaum auffallen (beide richtig).

Nimm die Farbe, die auf deinem Stoff am meisten vorkommt. Findest du keine genau passende, greif eine Spur dunkler. Ein einzelner Faden wirkt auf dem Stoff heller als auf der Rolle. Eine etwas dunklere Naht fällt kaum auf, eine hellere schon.

  • Vergleich bei Tageslicht und leg einen abgezogenen Faden auf den Stoff, nicht die ganze Rolle.
  • Bei bedruckten Stoffen nimmst du die Hintergrundfarbe oder die Farbe, die am meisten vorkommt. Bei bunten Mustern verschwinden Grau- und Beigetöne oft am besten.
  • Kontrastgarn nimmst du mit Absicht, wenn die Steppnaht ein Schmuckstück sein soll.
  • Sieht man nur die Oberseite, darf in der Spule ein neutraler, ähnlicher Ton sein.

Schritt 6

Qualität und Lagerung: Das Garn muss halten

Links falsch: Eine ausgeblichene Garnrolle steht auf einem Regal im Sonnenlicht vor dem Fenster, darunter ein Faden, der beim Auseinanderziehen gerissen ist. Rechts richtig: kräftig gefärbte Rollen in einer Dose mit Deckel, darunter ein Faden, der beim Ziehen hält.

Billiges Garn ist oft ungleichmäßig dick und haarig. Es franst am Nadelöhr aus, reißt mitten in der Naht und hinterlässt viele Flusen unter der Stichplatte. Sparen lohnt sich hier kaum, du brauchst ja nur wenig davon.

Auch gutes Garn altert. Steht es lange auf einem sonnigen Regal, wird es spröde und bleicht aus. Mach den Reißtest: Zieh ein Stück Faden zwischen beiden Händen kräftig auseinander. Gutes Garn gibt ein wenig nach und hält. Reißt es sofort mit einem leisen Knacken, nimm es nicht mehr für Nähte, die halten müssen.

Bewahr deine Rollen dunkel und staubfrei auf, zum Beispiel in einer Dose oder Schublade.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Neu laden 🗙