Grundlagen

Einfassen mit Schrägband: Kanten, Rundungen, Ecken

Mit Schrägband fasst du Kanten sauber ein, ganz ohne Saum. So klappt es an geraden Kanten, an Rundungen und Ecken und beim Übergang von Anfang und Ende.

Drei Schritte: Naht endet kurz vor der Ecke, das Band wird im 45°-Winkel nach oben geklappt, dann nach unten an die nächste Kante, die Naht geht weiter

Beim Einfassen legst du ein Schrägband um die offene Kante. Die Schnittkante verschwindet darin, und du brauchst weder Saum noch Versäubern. Das ist praktisch an Ausschnitten und Armlöchern und überall dort, wo mehrere Lagen zusammenkommen.

Bei unserem Portemonnaie Kirsche zum Beispiel sind alle Außenkanten eingefasst. Mit ein bisschen Übung sieht das richtig sauber aus.

Das Band kannst du kaufen oder selbst machen, auch aus Resten: Schrägband selbst herstellen.

Das brauchst du

  • Doppelt gefaltetes Schrägband, gekauft oder selbst gemacht
  • Stecknadeln oder Stoffklammern
  • Garn passend zum Band
  • Eine neue Nadel für die Nähmaschine
  • Bügeleisen
  • Eine scharfe Schere

Schritt 1

Die Kante vorbereiten

Zwei Stofflagen sind knapp an der Kante zusammengeheftet, eine Schere schneidet die Nahtzugabe gerade zurück, daneben ein Stück Band mit derselben Breite

Das Band fasst nur so viel ein, wie es breit ist. Ist die Nahtzugabe breiter, schaut sie heraus oder das Band beult.

  • Schneid die Nahtzugabe auf die Breite des fertigen Bandes zurück, wenn die Anleitung nichts anderes sagt. Bei 1 cm breitem Band also auf 1 cm.
  • Die Kante muss gleichmäßig sein. Ausgefranste oder wellige Stellen schneidest du glatt.
  • Mehrere Lagen, etwa Stoff mit Einlage und Futter, heftest du vorher knapp an der Kante zusammen. Dann verrutscht beim Einfassen nichts. Welche Einlage wofür passt, steht in Bügeleinlagen: welche wofür?.

Leg das Band einmal probeweise um die Kante. So siehst du, ob alles darin verschwindet.

Schritt 2

Methode 1: im Bruch annähen, umlegen, feststeppen

Das aufgeklappte Band liegt mit der Schnittkante an der Stoffkante, die Naht läuft im ersten Bruch. Im Querschnitt oben zeigt ein Pfeil, wie das Band um die Kante gelegt wird

Diese Methode dauert etwas länger, wird aber am genauesten.

  • Klapp das Band auf und leg es rechts auf rechts an die Kante, Schnittkante an Schnittkante.
  • Näh genau im ersten Bruch entlang.
  • Leg das Band um die Kante auf die andere Seite. Die Bruchkante liegt dort ein bis zwei Millimeter über der Naht.
  • Steck es fest und näh von rechts im Nahtschatten, also genau in der Naht. Dabei wird die Rückseite mitgefasst.

Ist dir eine sichtbare Steppnaht lieber: Näh das Band zuerst an die Rückseite, leg es nach vorne um und steppe die Bruchkante von rechts knappkantig fest.

Schritt 3

Methode 2: in einem Schritt umlegen und knappkantig nähen

Gefaltetes Band umschließt die Stoffkante und wird mit Klammern gehalten, der Nähfuß steppt knappkantig. Der Querschnitt zeigt, wie die Naht beide Seiten des Bandes fasst

Schneller geht es, wenn du das gefaltete Band gleich über die Kante schiebst und beide Seiten in einem Durchgang feststeppst.

  • Schieb die Kante bis ganz in den Bruch des Bandes. Hat dein Band eine etwas breitere Hälfte, kommt sie nach unten.
  • Steck oder klammer es alle paar Zentimeter fest.
  • Steppe von oben knappkantig an der Bruchkante entlang und kontrollier zwischendurch, ob die Unterseite mitgefasst ist.

Das ist schnell, aber weniger genau: Rutscht die Unterseite weg, entsteht dort eine Lücke. Für den Anfang und für dicke Lagen ist Methode 1 sicherer.

Schritt 4

Rundungen: außen leicht einhalten, innen leicht dehnen

Links ein Teil mit Außenrundung, die Pfeile schieben das Band zusammen (einhalten). Rechts eine Innenrundung, die Pfeile ziehen das Band auseinander (dehnen)

An Rundungen zeigt sich, warum das Band schräg geschnitten ist. Ein bisschen Hilfe braucht es trotzdem.

  • Außenrundung, die Kante wölbt sich nach außen, etwa bei abgerundeten Ecken: Das Band leicht einhalten, also locker zuführen und nicht ziehen. Sonst zieht es die Kante zusammen und das Teil wölbt sich.
  • Innenrundung, die Kante geht nach innen, etwa bei Ausschnitt oder Armloch: Das Band leicht dehnen. Sonst wirft es nach dem Umlegen Falten.

Am leichtesten geht es, wenn du das Band vorher in Form bügelst: Leg es in der passenden Kurve aufs Bügelbrett und dämpfe es, bis es die Rundung von selbst hält.

Schritt 5

Außenecken mit Gehrung

Drei Schritte: Naht endet kurz vor der Ecke, das Band wird im 45°-Winkel nach oben geklappt, dann nach unten an die nächste Kante, die Naht geht weiter

An einer Außenecke legst du das Band in eine Gehrung, also eine schräge Falte. So bleibt die Ecke spitz und flach.

  • Näh auf die Ecke zu und hör so weit vorher auf, wie deine Naht von der Kante entfernt ist. Bei 1 cm also 1 cm vor der Ecke. Verriegeln, Fäden abschneiden.
  • Klapp das Band im 45°-Winkel nach oben weg, sodass es in Verlängerung der nächsten Kante liegt.
  • Klapp es dann nach unten auf die nächste Kante. Der neue Bruch liegt genau auf der oberen Kante.
  • Näh von der Kante aus weiter.

Beim Umlegen faltet sich die Ecke auf der anderen Seite ebenfalls schräg. Leg sie sauber hin und steck sie fest.

Schritt 6

Anfang, Ende und der letzte Schliff

Links überlappt das Bandende den 1 cm umgeschlagenen Anfang. Rechts eine runde Öffnung mit durchgehendem Band und schräger Verbindungsnaht

Fang nicht an einer Ecke an, sondern an einer unauffälligen, geraden Stelle.

  • Einfach: Schlag den Anfang des Bandes 1 cm nach links um und näh von dort los. Am Ende lässt du das Band etwa 1 cm über den umgeschlagenen Anfang laufen. So sieht man außen nur den sauberen Bruch.
  • Ganz glatt: Für einen geschlossenen Ring nähst du die beiden Enden schräg zusammen, wie beim Verlängern der Streifen, und nähst dann das letzte Stück an.

Zum Schluss bügelst du alles. Setz das Bügeleisen auf, statt es zu schieben. Die Steppnaht liegt knapp an der Kante, das Band ist überall gleich breit und wirft keine Falten.

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